Neues aus der Abtei

Ralph Brinkhaus MdB bei uns zu Gast

Ralph Brinkhaus MdB
Ralph Brinkhaus MdB berichtete aus der großen Politik

Am 4. Oktober 2022 begrüßten wir Herrn Ralph Brinkhaus MdB als Gast in unserem Konvent. Der CDU-Abgeordnete aus unserem Wahlkreis berichtete zunächst knapp über die aktuellen Themen und Handlungsfelder der politischen Situation und ging dann auf unsere Fragen ein. 

Es ergab sich ein lebhaftes Gespräch, wobei im persönlichen Austausch manche Positionen noch einmal anders und differenzierter klingen als man es der Berichterstattung der Medien entnehmen kann. Ein solcher „Blick hinter die Kulissen“ bringt die große Politik und ihre Akteure und Akteurinnen auch menschlich näher.  

Wir bedanken uns für einen interessanten Nachmittag mit einem engagierten und kompetenten Politiker!

Äbtissin Angela und Ralph Brinkhaus MdBZum Gespräch zu Gast: Ralph Brinkhaus MdB mit Äbtissin Angela


Sr. Michaela in Salzburg verabschiedet

Portrait Sr. Michaela
Sr. Michaela Puzicha OSB

Zahlreiche benediktinische Obere aus dem gesamten deutschsprachigen Raum waren am 30. September 2022 zum „Tag der Benediktiner“ in die Erzabtei St. Peter in Salzburg gekommen, um das 400-jährige Bestehen der Universität Salzburg zu feiern, die aus einer benediktinischen Gründung (1622) hervorgegangen ist.

In diesem Rahmen wurde Sr. Dr. Dr. h.c. Michaela Puzicha OSB (Varensell) offiziell aus ihrer Tätigkeit in Salzburg verabschiedet: Seit dem Jahr 2000 arbeitete sie im „Institut für Benediktinische Studien“ (IBS) das sie selbst im Auftrag der Salzburger Äbtekonferenz aufbaute und seit 22 Jahren leitet.  

In seinen sehr persönlichen Ansprache hob Abt Theodor Hausmann OSB (Augsburg) als Vorsitzender der Salzburger Äbtekonferenz die weitreichende Bedeutung ihres Wirkens für den Orden der Benediktiner hervor: In ihren wegweisenden Werken erschloss Sr. Michaela eine wissenschaftlich fundierte und ebenso kritische wie spirituelle Sicht auf den Reichtum der Benediktusregel. Ihre unermüdliche Arbeit hat vielen Benediktinern und Benediktinerinnen im gesamten deutschen Sprachgebiet einen lebendigen und zeitgemäßen Zugang zu ihrer geistlichen Tradition geöffnet.

Als ausgewiesene Expertin erarbeitete Sr. Michaela zahlreiche wissenschaftliche Beiträge und Monografien zur Regula Benedicti, darunter den „Kommentar zur Benediktusregel“, der als Standardwerk internationale Anerkennung fand und 2015 neu aufgelegt wurde, ein umfangreiches Werk zu den Quellen der Regel sowie einen weiteren Kommentar zur „Vita Benedicti“ in den Dialogen Gregors des Großen. Eine Sammlung aller Aufsätze und Vorträge zur Benediktusregel erschien 2013, 2017 und 2021 in drei Bänden in der Reihe „Regulae Benedicti Studia. Traditio et Receptio“ in St. Ottilien. Die Theologische Fakultät der Universität Luzern verlieh Sr. Michaela 2017 die Ehrendoktorwürde für ihr umfangreiches Wirken.

Neben ihrer Forschungsarbeit bot Sr. Michaela im IBS in Salzburg zudem regelmäßig Kurswochen zu einzelnen Themen der Benediktusregel an und stand als gefragte Referentin für Vorträge, Studientage und Ausbildungskurse vielen monastischen Gemeinschaften zur Verfügung. Dabei verband sie stets neu ihre fundierte Kenntnis der historischen Texte mit praktischer monastischer Lebenserfahrung der Gegenwart.

Nach dieser langen Zeit, die sie überwiegend in Salzburg verbrachte, kehrt Sr. Michaela nun in ihr Heimatkloster, die Abtei Varensell zurück – wie „ruhig“ der Ruhestand der weiterhin geschätzten und gefragten Referentin wird, wird sich zeigen ... 


Ein Abend mit unserer Weggemeinschaft

Kreis der Weggemeinsschaft
Zusammen geistlich unterwegs: unsere „Weggemeinschaft“

Seit nunmehr 25 Jahren besteht in unserer Abtei die „Weggemeinschaft“, eine Gruppe von Christinnen und Christen, die unser Kloster als geistlichen Ort und Quelle der Inspiration erfahren und untereinander durch regelmäßige Treffen und Briefe in geistlichem Austausch verbunden sind.

An ihrem Herbsttreffen luden sie zu diesem Jubiläum uns Schwestern zu einem Grillabend auf der Tenne ein und gestalteten für uns – samt aller Vor- und Nachbereitungen – einen schönen Abend der Begegnung: nicht nur mit leckerem Essen vom Grill, sondern auch mit anregendem Gespräch und abschließender Komplet. Es war eine wunderbare Gelegenheit, sich wiederzusehen oder auch neu kennenzulernen!  

Wir freuen uns sehr über diesen Kreis von Menschen, die je auf ihre Weise mit uns und untereinander im Glauben unterwegs und verbunden sind. Das ist ein kostbares Geschenk für uns alle, ob nun im Kloster und außerhalb ... Ad multos annos!


900 Jahre Prämonstratenser: Ausflug nach Clarholz

Ausflug nach Clarholz
Gemeinsam unterwegs: Konvents-Ausflug nach Clarholz

In diesem Jahr schaut der Orden der Prämonstratenser auf 900 Jahre seines Bestehens zurück. Aus diesem Anlass gestaltete das Diözesanmuseum Paderborn die kirchengeschichtliche Wanderausstellung „Welt und Zeit gestalten. 900 Jahre Prämonstratenserorden“, die an verschiedenen Wirkungsstätten des Ordens im Erzbistum gezeigt wurde.

Am 1Nachmittag des 19. September unternahmen wir einen Konvents-Ausflug ins nahe gelegene Clarholz, um die Ausstellung zu sehen. Dabei erhielten wir eine exzellente Führung durch Herrn Dr. Johannes Meier, Prof. em. der mittleren und neueren Kirchengeschichte, der aus seiner fundierten Kenntnis heraus sehr spannend und lebendig über den Gründer Norbert von Xanten, die Entstehung des Ordens und die frühe Gründung in Clarholz berichtete. Selbst in Clarholz aufgewachsen, spürten wir ihm die Liebe zu diesem ehemaligen Kloster als geistlichem Ort an.

Reich beschenkt und voller Eindrücke kehrten wir am Abend nach Hause zurück, wo wir den Daheimgebliebenen von unseren Erlebnissen berichteten. Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen erfüllenden Nachmittag!


Heimgang unserer Schwester Eustochium

Sr. Eustochium Lotze OSB
Sr. Eustochium Lotze OSB

Am 6. September 2022 verstarb plötzlich, aber nicht unerwartet unsere Schwester Eustochium Lotze OSB. Auf den nahenden Tod war sie in den letzten Monaten sehr bewusst zugegangen und konnte ihr Leben, mehr und mehr versöhnt, den Händen ihres Schöpfers anvertrauen. Unbemerkt, wohl mitten in der Nacht, hat er sie nun heute zu sich heimgerufen.

Hildegard Lotze wurde als fünfte von neun Geschwistern am 1. Mai 1937 in Berlin geboren. Als ihr Vater 1947 einen Lehrstuhl für Geologie in Münster erhielt, wurde die Familie in Münster ansässig. Nach der mittleren Reife 1954 freute sich Hildegard, dass sie gleich eine Lehre als Handweberin beginnen konnte. Schon bald zeigte sich, dass in diesem Beruf ihre Stärke lag. Nach der Gesellenprüfung 1957 folgte der Besuch der Werkkunstschule Münster, anschließend der Webschule Sindelfingen mit der Meisterprüfung im Weberhandwerk.
Wieder in Münster, verdichtete sich immer mehr der Gedanke an einen Klostereintritt. Mit vier weiteren jungen Frauen trat sie im April 1961 in die Abtei Varensell ein. Am 22. November 1962 legte sie die erste, drei Jahre später die feierliche Profess ab.

Von Anfang an war Sr. Eustochium mit dem Aufbau der Weberei beschäftigt. In ihren Werken, die vor allem für die Feier der Liturgie bestimmt waren, erwies sie sich nicht nur als meisterhafte Weberin, sondern auch als begabte Künstlerin, die ihre Entwürfe geistlich durchdrang und gestaltete. Ihre Paramente, darunter auch viele Antependien für evangelische Kirchen, besaßen hohe Qualität und waren bis in die letzten Jahre hinein sehr gefragt. Über diese Arbeiten erwuchsen zahlreiche ökumenische Kontakte für unsere Gemeinschaft.

In ihrem geistlichen Leben entdeckte Sr. Eustochium das Medium des Tanzes als genuine Ausdrucksform ihrer persönlichen Gottesbeziehung. In einem Kreis gleichgesinnter Frauen, denen sie über viele Jahre sehr verbunden war, erschloss sie geistliche Texte kreativ und setzte sie in meditativen Tanz um.

Was Sr. Eustochium tat, das tat sie ganz, mit unbeirrbarer Energie und einem gewissen Perfektionismus. Dabei ging sie bis an der Grenzen ihrer Kräfte und auch darüber hinaus. Zeitlebens trug sie schwer an Verletzungen aus Kindheit und frühen Jahren, die sie immer wieder belasteten; wie im Ausgleich dazu konnte sie sich an allem Schönen herzlich freuen. Ihr wacher Sinn für Ästhetik und Gestaltung erstreckte sich bis hinein in die kleinen Dinge des Alltags.

Dankbar und allmählich versöhnter, entdeckte sie im Alter oft hilfreiche Texte – wie dieses Lied von Jürgen Henkys, das sie sehr mochte:

Stimme, die Stein zerbricht,
kommt mir im Finstern nah,
jemand, der leise spricht:
Hab keine Angst, ich bin da.

Sprach schon vor Nacht und Tag,
vor meinem Nein und Ja,
Stimme, die alles trägt:
Hab keine Angst, ich bin da.

Bringt mir, wo ich auch sei,
Botschaft des Neubeginns,
nimmt mir die Angst, macht frei,
Stimme, die dein ist: Ich bin's!

Dass sie nun im österlichen „Neubeginn“ frei und ohne Angst die Stimme ihres Schöpfers vernimmt und Ihn für immer schauen darf, das wünschen und erbitten wir unserer Sr. Eustochium! Am Freitag, den 9. September, um 10 Uhr haben wir für sie die Eucharistie gefeiert und setzten sie anschließend auf dem Klosterfriedhof bei.