Impulse
Impulse

~ Aus der Benediktusregel ~
„Eine Schule für den Dienst des Herrn“

So nennt Benedikt das Kloster im Prolog (V.45) seiner Mönchsregel, und am Ende rät er: „Nimm diese einfache Regel als Anfang...“ (RB 73,8) Mönche und Nonnen sind also immer Anfänger, Lernanfänger. Niemand weiß schon alles, kann schon alles, hat schon alles gelernt, was es am „Lernort Leben“ zu lernen gibt.

Benedikt Illumination
Benedikt schreibt seine Regel

Lernen macht Mühe - aber es macht auch Spaß, wenn man Fortschritte sieht. „Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“ (Prolog der Regel, V.49) Das ist Benedikts vielversprechendes Lernziel für das monastische Leben. Und wahrscheinlich gilt es nicht nur für das Kloster!


Wer ist der Mensch, der das Leben liebt, und gute Tage zu sehen wünscht?
Prolog der Benediktusregel
Werkstatt Leben
Werkzeuge sind zum Arbeiten da ...

In der Benediktusregel gibt es eine lange Reihe von „Werkzeugen der geistlichen Kunst“, die in der „Werkstatt des Klosters“ bei Tag und Nacht gebraucht werden sollen (Kapitel 4 der Benediktusregel). Ein Werkzeug ist etwas Praktisches: handfest, zweckmäßig, nützlich für das, was man damit bewirken will. Was für ein „Werkstück“ wird hier angefertigt, was entsteht in der „geistlichen Kunst“?

Unser menschliches Leben, das je eigene, ganz persönliche. So sind wir Menschen geschaffen: frei, uns selbst zu gestalten. Diese Arbeit nimmt uns niemand ab, sie ist Einladung und Herausforderung zugleich. Welches Kunstwerk entsteht in meiner persönlichen Lebenswerkstatt? Benedikts „Werkzeuge der geistlichen Kunst“ sind eine meisterhafte Anleitung. Lesen Sie selbst...


Öffnen wir unsere Augen
Aufmerksam schauen

... dem göttlichen Licht und hören wir mit aufgeschrecktem Ohr!“ (Prolog zur Regel, 9) Von Achtsamkeit ist heute viel die Rede: Wer mit allen Sinnen aufmerksam wahrnimmt, was ihn um herum und in ihm selbst geschieht, erfährt mehr Lebendigkeit und ahnt einen Sinn in den Begegnungen und Ereignissen.

Benedikt sieht in aller Wirklichkeit Gott gegenwärtig. Der Glaube, die Liebe zu Gott schaut im Hier und Jetzt hindurch in das Geheimnis aller Wirklichkeit. Wach, aufmerksam, voll Ehrfurcht: Heute Gott suchen.


Dem Gottesdienst nichts vorziehen

Das ist für Benedikt eins mit dem Grundsatz, „Christus überhaupt nichts vorzuziehen“ (RB 43,3 und 72,11). Die Liebe zu Christus drängt dazu, sie im Gebet und im Gesang zu feiern, IHM in der Liturgie zu begegnen. Nicht, dass Gott nur dort zu finden wäre. Aber dort erfahren wir ihn besonders.

Stundengebet
Im Stundengebet

Denn Gottesdienst ist nicht nur unser Dienst für Gott, sondern mehr noch Gottes Dienst an uns: ER schenkt uns sein Wort, sein Wirken, seine Zuwendung. Das trägt uns weit hinaus über den oft engen Horizont unserer Alltagswelt und unserer eigenen Gedankenkreisel.

Die Zuwendung Gottes lässt immer wachsen. Warum denn sollten wir dieser Liebe irgendetwas vorziehen?


„In allem soll Gott verherrlicht werden!“
Benedikt im  Gebet
In allem Gott verherrlichen

Das steht bei Benedikt im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Frage, wie die Preise für Klosterprodukte festzusetzen seien – also mitten im praktischen Handgemenge des Alltags. Nichts ist für Benedikt ohne Gott, alles hat mit IHM zu tun.

Gott suchen heißt, IHN in allen Dingen finden - und meine Antwort geben auf diese Gegenwart.


Heute ist der Tag, um zu beginnen!
Kreuz-Mosaik
Das „Kreuz“ im Leben - aus vielen kleinen Steinen des Alltags

Der geistliche Impuls von Äbtissin Angela für unsere Gemeinschaft zur Fastenzeit

Die Fastenzeit ist ein geistlicher Pilgerweg auf Ostern zu. Ein Weg der Erneuerung, uns neu hinzuwenden zu Gott und zu den Menschen. Und immer ist heute der Tag, um zu beginnen.
Am Anfang dieses Pilgerweges gibt uns die Liturgie am Donnerstag nach Aschermittwoch zwei biblische Texte mit. Sie machen klar, worum es geht bei diesem Aufbruch:
Hören, sich entscheiden, auf dem Weg bleiben – und darin das Leben finden.

Hören - und das Leben wählen!

Im Buch Deuteronomium legt Mose den Israeliten an der Schwelle zum verheißenen Land die Entscheidung vor, mit Gott im Bund zu leben (Kap. 30,19-20):

„Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.
Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme,
und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben.“

Heute gilt diese Einladung uns: Hören wir auf Seine Stimme! Geben wir Ihm unsere gelebte Antwort und wählen wir mit Ihm das Leben!

Hören - der Stimme Jesu folgen

Wenn einer hinter mir hergehen will,
verleugne er sich selbst,
nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.
(Lk 9,23-24)

Auch hier haben wir die Freiheit der Wahl und die Verantwortung einer Entscheidung. Hinter Jesus hergehen, das bedeutet, ihm auf seinem Weg zu folgen – „con-sequent“ zu sein. Wer sich für den Weg Jesu entscheidet, der wird hineingenommen in die Lebens- und in die Leidensgemeinschaft mit ihm. Das Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen, das schließt die Bereitschaft ein, mit Jesus zu sterben, um mit ihm auch aufzuerstehen.

Diese „Konsequenz“, hinter Jesus herzugehen, kann uns „täglich“ in den Bedrängnissen des Alltags begegnen: Es sind die „kleinen Tode“ des Alltags, die wir sterben müssen. Wenn wir ihnen nicht ausweichen, wenn wir uns von schmerzlichen Erfahrungen aufbrechen lassen, dann werden wir entdecken, dass auch darin Gott ist.
Jesus lehrt uns, dass wir das Leben finden, indem wir es zu verlieren scheinen: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten“ (Lk 9,24).

Hören - sich selbst nicht verlieren

„Was nützt es einem Menschen,
wenn er die ganze Welt gewinnt,
dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lk 9,25)

Auch uns selbst können wir verlieren. Die vielfältigen Anforderungen des Alltags, unsere eigene Betriebsamkeit, aber auch manche Sorge können uns den Blick auf das Wesentliche und damit auf Jesus verstellen. Dann sind wir in der Gefahr, die eigene Mitte und damit auch die Verbundenheit mit Christus zu verlieren.

Heute ruft uns Jesus auf, Ihm zu folgen. Hören wir auf Seine Stimme!
Entscheiden wir uns neu für den Weg mit Jesus, dem Christus. Mit Ihm wählen wir das Leben.

Die Zeit der Quadragesima will helfen, wieder mehr zu uns selbst zu finden, und damit auch zu Gott und zu den anderen. Täglich anfangen, das ist nicht nur immer wieder nötig, sondern auch immer wieder möglich!

Das Tagesgebet an diesem Beginn der Fastenzeit kann auf unserem Weg ermutigen und begleiten:

„Wir bitten dich, Herr,
komm unseren Handlungen
einhauchend zuvor und begleite sie helfend,
damit all unser Tun
immer von dir beginne
und das Begonnene durch dich vollendet werde.“


Ad maiorem caritatem ~ hin zur größeren Liebe
Der Wahlspruch von Äbtissin Angela

stellt die klösterliche Gemeinschaft in eine stete Dynamik hinein: als Einzelne wie als Gemeinschaft in Bewegung zu bleiben, zu wachsen, unterwegs zu sein - „hin zur größeren Liebe“.

Pfingsten, Salzburger Perikopenbuch, 11. Jh
Pfingsten, Salzburger Perikopenbuch, 11. Jh

In der Pfingstdarstellung des Salzburger Perikopenbuches aus dem 11. Jh. steht ein flammendes Rad mitten im Kreis der Apostel und bindet sie zu einer Gemeinschaft zusammen: ein ausdrucksstarkes Sinnbild des Geistes Gottes, der die Liebe ist.

Im 6. Jahrhundert hat der Mönch Dorotheus von Gaza das geistliche Bild vom Rad geprägt: „Je mehr ein Mensch seinem Nächsten verbunden ist, desto mehr ist er auch Gott verbunden. Ich will euch dafür ein Beispiel erzählen, das ich von den Vätern gelernt habe:

„Stellt euch in die Erde gezeichnet einen schönen runden Kreis vor und mitten darin das Zentrum, ebenso in die Erde eingeprägt. Und nun hört bitte gut zu, was ich euch sage: Nehmt an, der Kreis sei die Welt, der Mittelpunkt sei Gott, und die Linien, die den Kreis mit dem Mittelpunkt verbinden, seien die Wege, auf denen die Menschen gehen.

Wenn die Menschen Gott näher kommen wollen,
gehen sie auf die Mitte zu
und kommen so auch einander näher.
Je näher sie einander kommen,
umso näher sind sie auch bei Gott.
Das ist das Wesen der Liebe.

Wenn wir draußen sind und Gott nicht lieben, sind wir auch von unserem Nächsten weit entfernt. Wenn wir aber Gott lieben lernen, dann wird dies geschehen: je näher wir zu Gott kommen, desto enger werden wir in Liebe mit dem Nächsten verbunden sein und so noch mehr mit Gott. Er gebe uns die Gnade, diese Lehre zu verstehen und nach ihr zu leben.” (Dorotheus von Gaza)