Gedanken zur Corona-Zeit

An dieser Stelle veröffentlichen wir in der ungewöhnlichen Zeit der weltweiten Corona-Krise einige Gedanken aus unserer Gemeinschaft. Wir freuen uns, wenn Sie darin Anregungen für Ihren eigenen Umgang mit der herausfordernden Situation gewinnen. Am Ende der Seite finden Sie ein Kontaktformular, um Ihre Gedanken und Anliegen mit uns zu teilen. Gerne nehmen wir Sie mit in unser Gebet!
Seien Sie behütet!


Ostern
Osterlichter
Osterlichter in der Abtei

„Erstmal bis Ostern –
dann sehen wir weiter.“
So der Refrain der letzten Wochen.

Ja, an Ostern sehen wir weiter.
Zwar noch nicht wirklich in der Pandemie.
Aber umso wirklicher in der Angst
um Leben und Tod.

Denn Ostern ist mehr
als ein Corona-Termin,
Ostern ist mehr
als ein diesmal gesperrtes Frühlingsfest.
Ostern ist auch mehr als unsere Feier – wo und wie auch immer.

An Ostern wurde endgültig entschieden:
Die Liebe ist stärker als der Tod.
Im geheimnisvollen Kampf mit dem Lebendigen 
verlor der allgewaltige Tod seine Allgewalt.  
„Fürchtet euch nicht“,
das ist das erste Wort des Auferstandenen.
Ja, jetzt sehen wir weiter, viel weiter:
ab Ostern.


Ostern ist nicht abgesagt
Kreuz in der Abtei
Kreuz in der Abtei

Ostern ist nicht abgesagt.
Nein, Ostern findet gerade statt.
Ostern ereignet sich immer jetzt – global und sehr real.
Was wir an Ostern feiern – das geschieht derzeit hunderttausendfach.
Überall auf der Welt, aber diesmal auch bei uns,
ganz unerwartet und neu und anders, direkt vor unserer Tür.
Das erschreckende Geheimnis von Leid und Tod –
es hat uns im Griff –
jetzt spüren wir es hautnah.
Es geht um Leben und Tod – für viele. Für viele von uns.
Ja, das ist das Geheimnis von Ostern.
Erschreckend real sind wir mittendrin.

Aber gerade das ist die Botschaft von Ostern:
Auch Gott ist mittendrin – erschreckend real.
Gerade jetzt, gerade heute, genau so
geht Gott in das Leiden und Sterben hinein – mit uns.
Gerade jetzt wird die Liebe stark wie der Tod –
bei allen, die helfen, die sorgen, die kämpfen und hoffen.
Gerade jetzt öffnet Gott neues Leben – auch durch den Tod hindurch,
auch da, wo unsere Möglichkeiten enden.
Gott selbst ist gestorben, Gott selbst stirbt mit uns –
und reißt uns mit sich durch das Dunkel ins Licht.
Weniger glauben wir Christen nicht. 
Ist uns das neu?

Nein, Ostern ist nicht abgesagt.
Ostern ist uns zugesagt. Gerade jetzt. Im Ernst.


Ostern - bei mir daheim

Ostern zuhause feiern.
Der Raum der Kirche fällt aus: die Gemeinschaft, die Zeichen, die Riten.

Meine vier Wände
werden zum Ort des Geschehens.
Ostern zieht ein: in mein eigenes, kleines, normales Zuhause.
Ganz klein macht sich Gott.
Für mich. Bei mir zuhause.
„Hier und jetzt geschieht es“, sagt Gott.
Hier und jetzt geschieht ganz klein
der große Weg durch den Tod zum Leben.
Der Raum meines Lebens – ist der Ort des Geschehens.
Komm, Herr, ich lade dich ein zu mir!


Gründonnerstag
Hostienschale
„Nehmt und esst! Das bin ich für euch!“

Der Abend des letzten Mahles.
Die Nacht des Verrats, der Flucht, der Verhaftung, der Verhörs.
Gebrochenes Brot, gebrochener Leib: „Nehmt und esst!“

Der galiläische Frühling ist abgesagt.
Die Sonne zerbricht in der Dunkelheit.
Aber rundherum: ein Kreis, der hält.
Rundherum das Geheimnis der Liebe.
Rundherum wird Brot für die Vielen.
Der galiläische Frühling ist reif zur Ernte.
Das Reich Gottes verteilt sich gebrochen
in die Weite aller Zeiten und Räume.
„Nehmt und esst! Das bin ich für euch!“

Und wo auch immer wir das Gedächtnis dieses Opfers begehen,
vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung.

 

Ansprache vom Gründonnerstag 2020

Zur Feier des letzten Abendmahles am Gründonnerstag gehört der Ritus der Fußwaschung. In der Abtei Varensell hält die Äbtissin dazu jeweils eine deutende Ansprache. In diesem Jahr trug sie den Titel: „Bleibt alles anders.“

Hier können Sie die Ansprache von Äbtissin Angela Boddem herunterladen.

 


Karfreitag
Christus mit Dornenkrone
Brennende Dornen: „Corona spinarum“

Einst in der Wüste
schien Gott dem Mose auf
im brennenden Dornbusch
und nannte ihm seinen Namen:
„Ich bin der Ich-bin-da!“

Warum gerade im Dornbusch,
fragten die Gelehrten später,
warum nicht im schönen,
blühenden, prächtigen Gewächs?

Weil, so ahnten sie, dieser Gott
nicht erhaben und groß sein will,
wenn sein Volk in Fesseln und Elend lebt.
Dann brennt Gott in den Dornen.
Aus den Dornen brennt es: „Ich bin für euch da!“

Heute brennen wieder Dornen:
auf dem Haupt des Gekreuzigten.
Da brennt eine Krone aus Dornen.
Krone heißt auf Latein „corona“.

Auch heute brennt Gott - weltweit: „Ich bin für euch da!“


Karsamstag
Piéta im Kreuzgang der Abtei Varensell
Piéta im Kreuzgang der Abtei Varensell

Der Karsamstag
gibt dem Unfassbaren Raum.
Er hüllt den Schmerz ein in die Stille –
wie die Hand der Mutter den Toten.
Wie viele Tote liegen jetzt auf dem Schoß
ihrer weinenden Lieben: unfassbar.

Die Trauer ist geborgen
im weiten Gewand
dieser weinenden Mutter.
Ein goldener Streif darauf
fängt einen Glanz ein:
ein Licht von anderswoher.


In der kommenden Nacht, der Osternacht, tragen wir ein hell brennende Kerze
durch den dunklen Kreuzgang, auch an dieser Figur vorbei.
Wir bleiben nicht stehen, das Licht führt uns weiter,
hinein in den Jubel des Ostermorgens.

Aber die Trauernde mit ihrem Sohn auf dem Schoß
behält ihren Ort, behält Raum in unserem Lebenshaus.
Ostern – bei uns zuhaus.

 


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